ALAIN.WORTBEITRAG.NET  :  KOMMENTARE
WORTBEITRAG
Impressum
Hauptseite
---
Login
---
April
---
WORTBEITRAG

20. April 2004, 04:46 Uhr, alain

Das weinende Spiegelbild und ich

Ich schaue in einen Spiegel im Badezimmer.
Was ich sehe, ist ein Junge.
Man erkennt klar das wässrig schimmernde Nass in seinen dunklen Augen.
Ich denke über mein Leben nach. Nur düstere Gedanken schiessen durch meinen Kopf.
Dem Jungen im Spiegel kullert die erste Träne über seine Wange runter.
Ich weiss, eigentlich habe ich es nicht schlecht.
Meine Familie ist gut zu mir und doch hasse ich sie oft.
Ich bin stolz auf meinen Freundeskreis und doch traue ich fast keinem.
In der Schule mochten mich viele und doch wurde ich verjagt.
Der Junge im Spiegel wischt sich mit einem Taschentuch die Tränen weg.
Plötzlich kommen die schreckliche Gedanken hoch.
Wieso nur? Ich habs momentan nicht so schlecht wie in der Vergangenheit.
Vielen Mitmenschen geht es schlechter als mir und ich Idiot jammere hier rum.
Doch denkt man in solchen Momenten an das grössere Elend von vielen Menschen - wohl kaum!
Meine Eltern, Freunde und Mitmenschen beschimpfen mich aber oft deswegen!
Doch ihr könnt euch weder in mich, noch in den Jungen im Spiegel versetzen.
Das Taschentuch des Jungen im Spiegel ist durchnässt und reisst. Er schluchzt heftig. Nichtmal mehr hochsehn kann er, da er sein elendes Gegenüber nicht erblicken will.
Ich will ja stark sein, war es auch schon oft.
Doch schon einmal scheiterte mein Wille. Meine Kraft reichte nicht mehr aus - sie versiegte.
Jedoch wollte es eine höhere Macht nicht zulassen, dass ich gehe - ich litt qualen.
Wieso liess mich die Welt nicht gehn?!
Schon so oft im Leben wäre ich von der Bildfläche verschwunden. Doch immer hatte ich Schutzengel bei mir. Es ist ahnscheinend nicht an der Zeit für mich zu gehn!
Es ist unfair! Niemand fragte mich, ob ich leben will. Schon bevor ich da war, war ich verloren!
Ich wurde auf die Welt gesetzt und darf nicht mal gehn, wenn ich es will.
Der Junge im Spiegel begräbt sein Gesicht in seinen Händen. Immernoch wimmert er laut, doch niemand hört ihn.
Jeden Tag stellt sich für mich erneut die Frage: Wird es ein erträglicher Tag? Schaff ich es heute oder kehren meine Suizidgedanken zurück. Diese schrecklichen Todesgedanken...
Ich werde bei vielen als froher Mensch angesehn, doch sie sahen noch nie den Jungen im Spiegel, wie er weint und wimmert.

Doch wieder spür ich eine erneute Kraft in mir schlummern.
Ich sehe in den Spiegel, wische mir zum letzten mal die viele Tränen vom Gesicht und beginne zu lächeln.
Der Junge im Spiegel fühlt sich jetzt besser.
Auch ich sehe jetzt wieder lieber mit einem Lächeln in die Augen des Jungen.
Die Augen des Spiegeljungen funkeln. Er weiss er wird wieder mit wässrigen Augen zurückkehren, doch bis dahin verlässt er den Spiegel glücklich...


Darf ich dich umarmen? Im Spiegel
(kennyhedges2@yahoo.com)

wow | 13. Oktober 2004, 10:23 Uhr |


Kommentar schreiben:




! Bitte alle Felder ausfüllen. HTML wird nicht interpretiert.

Abschicken

zurück

alain im
1830 Wortbeiträge in 208 Wortstationen | RSS-Feed | Kredits | Hosted by NETZONE | © 2003 - 2004 by NETZLABOR